Steigende Strompreise, sinkende Einspeisevergütungen und veränderte Lastprofile machen Stromspeicher zur Schlüsselkomponente moderner Photovoltaikanlagen. Während sich Solaranlagen vor einigen Jahren auch ohne zusätzliche Komponenten wirtschaftlich betreiben ließen, hat sich das Marktumfeld deutlich verändert.
Wie reagiert Renergo auf diese neuen Herausforderungen?
Peter Waldmann: Wir überzeugen zunehmend mit unserer energiewirtschaftlichen Expertise. Wir reden heute nicht nur über Solarparks und Dach-PV sondern über ganze Solarkraftwerke. Das ist die kluge Kombination von Energieerzeugung, Speicherung und Einspeisung von Energie.
Hinter allem steckt unser STOLAR-Konzept – also die Kombination von Solar und Storage. Damit holen wir das Maximum aus der Sonnenenergie heraus.
Mit einem speziellen Tool dimensionieren wir den künftigen Speicher optimal und berechnen unterschiedliche Szenarien. Damit können wir dem Kunden Angebote machen, die nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich fundiert sind.
Wir verbinden wirtschaftliches Denken mit technischer Expertise
Ohne Speicher muss ein großer Teil des erzeugten Stroms ins Netz eingespeist werden – zu Vergütungssätzen, die deutlich unter den aktuellen Strombezugspreisen liegen. Der wichtigste Grund liegt im zeitlichen Verzug von Solarstromerzeugung und Stromverbrauch.
Peter Waldmann: Viele Betriebe haben ihren höchsten Energiebedarf in den frühen Morgen- oder Abendstunden, während allerdings die PV-Anlage mittags die größte Leistung liefert.
Die Zeiten, in denen man überschüssigen Solarstrom einfach ins Netz einspeist und damit gute Erlöse erzielt, sind endgültig vorbei. Anlagenbetreiber verlieren 10 bis 20 Prozent ihrer Einnahmen, weil sie für die Einspeisung zum falschen Zeitpunkt sogar bezahlen müssen.
Was ist der Grund für den starke Anstieg der negativen Börsenstrompreise?
Markus Arnold: Das waren die vielen Sonnenstunden im vergangenen Jahr – ihr erinnert euch? In Deutschland gab es allein von Januar bis Ende August 465 Stunden mit negativen Strompreisen. Mit einem Stromspeicher können Unternehmen den selbst erzeugten Solarstrom zeitversetzt nutzen. So reduzieren sie nicht nur den Netzbezug deutlich, sondern umgehen auch das verlustreiche Einspeisen. Besser noch: Sie können den nicht selbst verbrauchten Strom zu Zeiten hoher Preise einspeisen und damit Geld verdienen. Gleichzeitig erhöhen sie die Planbarkeit der Energiekosten und schaffen zusätzliche Flexibilität, etwa für Lastspitzenkappung oder die Integration von Elektromobilität.
Das spart man mit dem Einsatz eines Großspeichers
Über welche finanzielle Entlastung reden wir falls ein smarter Großspeicher zum Einsatz kommt?
Peter Waldmann: Speichern wir Strom bei negativen Preisen und verkaufen später zu höheren Preisen, kann eine PV-Anlage in der Kombination mit dem Speicher den Ertrag von 350.000 auf 850.000 Euro im Jahr steigern. Diese Beispielrechnung zeigt: Die Investition in den Speicher amortisiert sich schon nach drei bis vier Jahren.

Der Speicher scheint wirtschaftlich unverzichtbar. Wann kam der Wendepunkt?
Peter Waldmann: Mit der Gesetzesänderung, die die „EEG-Vergütung bei negativen Strompreisen“ kippte. Viele Betreiber merken erst jetzt, was das für ihre Erträge bedeutet.
Manche prüfen ihre Einnahmen nur halbjährlich oder jährlich – aber sobald sie feststellen, dass sie Geld verlieren, wächst der Handlungsdruck. Viele der Anlagen sind fremdfinanziert. Da zeigen sich jetzt Finanzierungslücken.
Das heißt, viele Betreiber müssten Geld in die Hand nehmen, um ihre Verluste zu stoppen?
Peter Waldmann: Ja. Das tut weh, ist aber notwendig. Wer nichts tut, riskiert dauerhaft Verluste. Im schlimmsten Fall könnten sogar Kredite nicht mehr bedient werden. Dabei ist die Lösung offensichtlich:
Ein Speicher kostet je nach Größe zwischen 140 und 150 Euro pro Kilowattstunde. Ein 5.000-kWh-Container liegt bei rund 750.000 Euro – für eine 5- bis 10-Megawatt-Anlage. Aber das Geld kommt über höhere Erträge und eingesparte Kosten schnell wieder rein.
Im Dialog mit dem Netzbetreiber finden wir zusammen die Lösung
Die Stromnetze sind aus vielerlei Gründen überlastet. Letztendlich entscheiden die Netzbetreiber über den Netzzugang. Hier kommt die Energiewende trotz höchster Dringlichkeit ins Stocken. Woran liegt das?
Markus Arnold: In Deutschland gibt es rund 950 Netzbetreiber, von den großen bis zu kleinsten Stadtwerken. Viele sind personell unterbesetzt und bei den ständigen technischen und regulatorischen Änderungen überfordert. Ein Projekt kann sich dadurch über Monate oder gar Jahre hinziehen.
Wir gehen proaktiv und individuell auf die Netzbetreiber zu, um die Rahmenbedingungen verstehen. Je eher der Dialog beginnt, desto besser. Denn meistens haben der Netzbetreiber und Energielieferant ein gemeinsames Interesse. In der Diskussion ergibt sich dann die Lösung, die uns beiden weiterhilft: Kluge Verfahren in denen der Speicher das Netz aktiv entlastet.
Die Zusammenarbeit ist grundsätzlich vertraulich. Gestattest du uns dennoch einen Blick hinter die Kulissen- ohne etwas zu verraten?
Markus Arnold: Der Netzanschluss ist begrenzt. Es darf nicht mehr Strom eingespeist werden als bisher. Deshalb wird zusätzlich ein großer Speicher installiert, der überschüssige Energie speichert, Lastspitzen abdeckt und ein Arealnetz bedient (der Strom wird im Areal verteilt und verbraucht.) So kann der Anlagenbetreiber den Strom etwa an seine Mieter verkaufen und gleichzeitig die teuren Lastspitzen reduzieren. Das reduziert die Abhängigkeit vom Markt, spart Netzentgelte und erhöht die Wirtschaftlichkeit. Die Einspeisung ins Netz zur Unzeit kann ausgeschlossen werden.
So einfach das auch klingt, die Umsetzung ist komplex. Netzbetreiber befürchten, dass der Strom irgendwann doch ins Netz gedrückt wird. Dabei bleibt die eingespeiste Leistung exakt gleich. Der Speicher regelt das – nur intelligenter. Wir müssen diese Logik den Netzbetreibern geduldig erklären und werden ihr Vertrauen nicht enttäuschen.
Peter Waldmann: Der Markt verändert sich rasant. Speicher sind nicht mehr nur eine technische Ergänzung, sondern ein zentraler Bestandteil der Energiewirtschaft. Unsere Stärke liegt darin, Projekte so zu planen, dass sie energiewirtschaftlich und regulatorisch funktionieren. Wir verbinden wirtschaftliches Denken mit technischer Expertise – und genau das hilft unseren Kunden und am Ende macht es die Energiewende schneller.





